Faktencheck – Östlicher Zugang S-Bahnhof Westkreuz

Einzugsgebiet Norddurchwegung-A3

(erlaubt mit Hilfe der  Zoomfunktion Vergrößerung der Grafik)

Faktencheck – Östlicher Zugang S-Bahnhof Westkreuz:

 Die östliche Zuwegung zum Westkreuz wird als großer Wegevorteil für die Anwohner von Rönne- und Dernburgstraße im Norden und von der Ringbahnstraße und Heilbronnerstraße im Süden bezeichnet.

Welche Häuser aber tatsächlich einen Wegevorteil haben wird in der angefügten Grafik deutlich:

Die Grundlage dazu ist die Karte mit den Wegestrecken, die beim 2.Workshop, dem World – Cafe, als Fakten vom Büro Fugmann Janotta und Umweltamt ausgehängt war. Nicht ganz offensichtlich hervorgehoben, muss man feststellen, dass man von Norden 392 m (dunkel grüne Linie) und von Süden erst einmal mindestens 401 m (gelbe Linie) durch unbewohntes Gebiet gehen müsste, um vom Straßenland den S-Bahnhof Westkreuz zu erreichen

 

Im Süden längere Wege

Betrachtet man nun die Entfernungen zu den bereits erschlossenen S-Bahnhöfen, stellt man fest, dass im Süden der S-Bahnhof Halensee nur 317m vom Beginn der südlichen Zuwegung entfernt ist! Demnach wäre es ein Wegenachteil von hier zum Westkreuz zu laufen, denn die Strecke dorthin ist 401m lang. Wenn das Baubudget für eine neue Fußgängerbrücke von der Ringbahnstraße über die S-Bahn Tangente nicht reicht, wäre der Weg zum Westkreuz sogar 509 m lang.

Das heißt: Von Süden ergibt sich für Jede und Jeden Anwohner selbst direkt vom Zugang -z.B. Lützenstraße 8- ein Wegenachteil wenn er zum Westkreuz ginge, von mindestens 84 m bzw. ohne neue Brücke sogar 192m mehr, gegenüber dem nahe gelegenen S-Bahnhof Halensee. Wer würde diese Strecke zusätzlich gehen?

Im Norden nur 68 Häuser mit Wegevorteil

Im Norden stellt es sich ein wenig anders dar: Unter Berücksichtigung von 392m Weg vom Ende der Rönnestraße bis zum S-Bahnhof Westkreuz, ergeben sich die grünen Umkreise um die S-Bahnhöfe Messe Nord und Charlottenburg mit einem Radius von 392m. Mit den Pfeilen sind die Straßenteile markiert deren Weg kürzer nach Westkreuz ist (roter Pfeil) und deren Weg kürzer zu einem der anderen beiden S-Bahnhöfe kürzer ist (blauer Pfeil). Daraus ergibt sich eine rot umrandete und rosa hinterlegte Fläche von 0,074km², die das Einzugsgebiet für den Bahnhof Westkreuz darstellt – das Gebiet umfasst ca. 68 Häuser.

Planung für 3330 Einwohner

Somit kann man zusammenfassen, dass für die nördliche und südliche Zuwegung insgesamt nur ca. 68 Häuser einen Wegevorteil zur S-Bahn über den S-Bahnhof Westkreuz hätten. Bricht man dies auf die Fläche von 0,074 km² herunter und setzt man die Einwohnerdichte von ca. 450 Einwohner / ha (Umweltatlas 2016) hoch an, ergeben sich mit 7,4 ha insgesamt 3.330 Einwohner die einen Wegevorteil hätten.

Dabei ist noch nicht berücksichtigt, dass der nördliche Teil zusätzlich noch durch Buslinien auf der Kantstraße erschlossen ist, die nur 100 m – 200m entfernt liegen und einen Weg zum Westkreuz von 600 m – 700 m uninteressant machen.

Zahlen vs. Prognose

Das Bezirksamt beruft sich für die Herstellung des östlichen Zugangs des Westkreuzes auf eine Prognose von 5.000 Einsteigern und 5.000 Aussteigern pro Tag.

Somit müssten alle 3330 Einwohner (Säugling bis Rentner) der oben genannten Fläche 1,5 mal am Tag Abfahren und Ankommen, um diese Zahl zu erreichen. Oder aus anderen Bereichen müssten Personen den Umweg zum Westkreuz in Kauf nehmen.

Eine Attraktivitätssteigerung des ÖPNV und neue Fahrgäste durch die geplante Erreichbarkeit des Westkreuzes, lassen sich mit den längeren Wegen wohl nicht erreichen.

Jan Winkler

Betreffs der Anfrage auf Wiederöffnung des Südzuganges des Bahnhofes Grunewald folgende  Antwort des Staatssekretärs (2016):

„Die Wiederherstellung des Südzugangs würde zwar
eine Attraktivitätssteigerung für den Bahnhof Grunewald
darstellen, sie ist jedoch vom Land Berlin aufgrund der zu erwartenden geringen Nutzerzahlen bei der Deutschen Bahn AG nicht bestellt worden(…)
relativ geringer Verkehrswert, hohe Kosten und Konkurrenz zu anderen wichtigen Projekten,hat sich auch aktuell unter dem Aspekt der WachsendenStadt nichts geändert, da absehbar im unmittelbaren Umfeld kein neues Wohngebiet und keine mobilen Flücht-
lingsunterkünfte geplant sind.“
sic! das gilt vice versa ebenfalls für den östlichen Zugang zumBhf.Westkreuz

 

 



							
Juli 25, 2017

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  • Wie die Durchwegung verhindern ?
    Im Sept/Okt auf dem 3.Workshop wird/muß es zum „show down“ kommen.Was heißt das? die Anwesenden sollten eine Resolution abstimmen lassen, worin eindeutig die Ablehnung zur Geltung gebracht wird.
    Sollte die Bürgerbeteiligung nicht zur Farce werden,kann die Verwaltung und das BA.
    daran nicht vorbeigehen
    Die nächste BVVen sind don 21.sept und 12.Oktober.Am 24.Sept ist BT Wahl
    d.h.über Einwohnerfragen und mdl.Fragen von Verordneten sollte das Thema noch vor der Wahl in die BVV
    Ein Einwohnerantrag (1000 unterschriften) sollte ebenfalls in die sept bvv eingebracht werden.Weiterhin sollte eine Einwohnerversammlung für den Herbst beantragt werden.

  • Meiner Meinung nach lässt die Berechnung außer Acht, dass der S-Bahnhof Halensee nur eine direkte Anbindung zur Ringbahn darstellt- keinesfalls aber zur Stadtbahn. Besonders abends und am Wochenende kann es zu längeren Umstiegszeiten kommen, sodass sich ein geringfügig längerer Fußweg definitiv lohnen würde! Ich persönlich würde immer zum S-Bahnhof Westkreuz laufen, wenn ich zur Stadtbahn kommen wollte! Der S-Bahnhof Charlottenburg ist sehr weit weg (ich wohne in der Georg-Wilhelm-Str.). Man muss mit der Nähe zur Stadtbahn argumentieren!! Die Ringbahn erreicht man über Halensee, okay. Aber man will schnell zur Stadtbahn!

    • Hallo Marie,
      wie ich unten schon auf den Post von Herrn Starke geschrieben habe, sind die starren Laufmeter sicher nicht der einzige Aspekt, aber ein messbarer Ansatz. Den Aspekt der Inkaufnahme von Umwegen, um Umstiege in der S-Bahn zu vermeiden, ist eine sehr individuelle Entscheidung und konnte ich nicht bewerten (siehe Ausführungen unten). Daher habe ich mich explizit auf die Wegstrecke, die man ausmessen kann, bezogen.
      Das andere sind Prognosen über das Nutzerverhalten, die ich hier nicht bewerten konnte, die aber vom Amt mit 5.000 Einsteigern und Aussteigern pro Tag bewertet wurden.
      Grüße
      Jan Winkler

  • stvo
    Gemeinsame Geh- und Radwege

    Zeichen 240 – Gemeinsamer Fuß- und Radweg, StVO 1992.svg Zeigt ein blaues Schild Fußgängern und Radfahrern einen gemeinsamen Geh- und Radweg an, dann ist er auch für Radfahrer benutzungspflichtig. Die Mindestbreite für einen gemeinsamen Geh- und Radweg beträgt 2,50 m innerorts und 2 m außerorts.[1]
    pkt20
    http://www.verwaltungsvorschriften-im-internet.de/bsvwvbund_26012001_S3236420014.htm

    so sähe exemplarisch eine radorientierte durchwegung in der kolonie aus: zaun zur bahn und zaun zur kolonie:

    https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Bikeways?uselang=de#/media/File:Bicycle_path_along_M5_Western_Freeway_in_Brisbane,_Australia.jpg

  • Sehr geehrter Herr Winkler,

    nicht schlüssig ist bei Ihrer Argumentation, dass die Ziele der S-Bahn-Nutzer biet außerhalb des Untersuchungsgebiets liegen. Ein Ziel auf der südlichen Ringbahn zB lässt den S-Bahnhof Charlottenburg nicht als attraktiven Startpunkt erscheinen. Selbst ein Startpunkt Westend wird wg längerer Fahrzeit eher weniger attraktiv. Das Einzugsgebiet der geplanten Eingänge zum S-Bahnhof Westkreuz ist daher erheblich größer und sicherlich nicht starr mit Laufmetern festgelegt.

    Nach Ihrer Argumentation müsste etwa ein Drittel aller S- und U-Bahnhöfe geschlossen werden, da sich Einzugsgebiete überlappen. Die damaligen Verkehrsplaner haben diese Überlappungen aber mit voller Absicht vorgesehen, mit dem Ergebnis, dass Berlin heute den höchsten Anteil der ÖPNV am Verkehrsaufkommen in Deutschland hat.

    Hinzu kommt aber, dass die Wegeentscheidung von der Wegequalität abhängt: Ausstattung mit Licht, Übersichtlichkeit, Grünbezug, Belebtheit, Autofreiheit, Abstellmöglichkeiten fürs Fahrrad, Ausstattung mit Verkaufsstätten usw. Da ist eine gute Planung gefragt, die – und dahin zielt, so meine ich, Ihr Anliegen – Platz benötigt, der den jetzigen Nutzungsarten entzogen wird. Es wäre ein Zeichen guter Planung, die Vor- und Nachteile dieser Umverteilung von Stadtraum aufzuzeigen und abzuwägen.

    Freundliche Grüße Klaus Starke

    • Sehr geehrter Herr Starke,

      vielen Dank für die Kritik.
      Die „starren Laufmeter“ sind sicher nicht der einzige Aspekt, aber ein messbarer Ansatz. Den Aspekt der Inkaufnahme von Umwegen, um Umstiege in der S-Bahn zu vermeiden, konnte ich nicht bewerten. Daher habe ich mich explizit auf die Wegstrecke, die man ausmessen kann, bezogen.
      Die Inkaufname von Umwegen, ist eine Sache die sehr individuell ist. Zum einen von der Tageszeit abhängig und der damit verbundenen Taktdichte und Umsteigezeit an der S-Bahn, zum anderen von Faktoren der eigenen Beweglichkeit: Langsam gehend werde ich die kürzeste Strecke nehmen, wenn dann der Bahnhof aber wiederum nicht barrierefrei ist, bin ich ggf. trotzdem gezwungen einen anderen, entfernteren Bahnhof anzulaufen. Wenn ich mit dem Fahrrad zur Bahn fahre, machen mir 200m mehr Strecke nicht viel aus. Als Vater mit Kinderwagen meide ich vllt. Umstiege und nehme längere Wege zum Bahnhof in Kauf – ob man dann auf einen Aufzug angewiesen ist oder einen Mitmenschen um Hilfe beim Treppensteigen bittet, ist jedem selbst überlassen.

      Die Überlappung von Umkreisen, die nur auf die Luftlinienentfernung abstellen, ist das Ergebnis einer flächendeckenden Versorgung mit ÖPNV und zwingend erforderlich, da man mit Kreisen, die nur aneinander stoßen, keine Flächen lückenlos abgedeckt bekäme. Dies habe ich nirgends in Frage gestellt.
      Tatsächlich könnte man aber diskutieren, wie stark die Überlappung und damit wie dicht die Versorgung mit ÖPNV sein muß und ab wann es Luxus ist, den man sich leisten will.
      Wenn man sich die Umkreise mit 800m Radius aus dem Protokoll zum Worldcafé Seite 9 „170704_Westkreuz_Protokoll_09_World_Cafe_Anlage_2_Impulsreferat.pdf“ anschaut kann man sehen, dass das Westkreuz eine mögliche Ergänzung wäre. Wenn man aber genauer hinsieht, muß man feststellen, dass der Umkreis um das Westkreuz nur zu 36% bewohntes Gebiet überstreicht. Diese 36% beinhalten zu dem noch den relativ gut versorgten Teil Dernburgstraße-Rönnestraße und den Bereich Halensee zwischen Ringbahn und Autobahn, für den ein östlicher Zugang zum Westkreuz keinerlei Verbesserung darstellt. Insofern die Frage, ob sich die Investition hier lohnt, oder nicht doch auf den Weiterbau der U1 nach Halensee-Grunewald gespart werden sollte 🙂

  • Nicht nur die „Durchwegung“ist obsolet,
    auch die vorgegebene Breite von 5Metern.Die StVO fordert nur 2,50Meter.
    Nun kann Sen Verkehr argumentieren, hier gäbe es eine Parallelnutzung von Fußgängern und Radfahrern.Doch werden die Nutzerzahlen eher gering sein. (auch wenn die Planer anderes behaupten)
    Ist keine Durchwegung für Radler zum Bahnhof und dann in den Grunewald – mangels Aufzug – möglich, schwindet selbst die Attraktivität für die unmittelbar anliegenden Anwohner.(s.Text oben)
    Sogar für Fußgänger wird sich das Interesse gering halten, auf Grund der nicht sehr zahreichen Anlieger im unmittelbarem Umfeld.
    Selbst für einen reinen Radweg gäbe es nur die Rechtfertigung von 5Metern, wenn es sich um einen Radfernweg handeln würde. Aber davon reden selbst die Planer nicht.

  • Am Mittwoch, 12.07.2017 ab 17:30 Uhr befasste sich der Ausschusses für Straßen- und Grünflächen der Bezirksverordnetenversammlung Charlottenburg-Wilmersdorf in der 7. Öffentlichen Sitzung unter dem Punkt Ö 3 der Tagesordnung mit dem Sachstand zur Durchwegung des Westkreuzparks.

    In nächster Zeit sollte das Protokoll hier abrufbar sein:
    https://www.berlin.de/ba-charlottenburg-wilmersdorf/politik/bezirksverordnetenversammlung/online/to010.asp?SILFDNR=4114&TOLFDNR=40662#beschluss

    Zur Einstimmung – bis das Protokoll endlich verfügbar ist – gibt es bereits einen Beitrag:
    https://westkreuzpark.de/heute-lust-und-frust-im-ausschuss/

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