Conrad Felixmüller

Einen sehr interessanten Einblick in die Geschichte des uns besonders interessierenden Bereiches des ehemaligen Bahnbetriebswerks Charlottenburg (heutige „Brache“/„Steintal“) verdanken wir dem Maler Conrad Felixmüller.

Wir möchten uns an dieser Stelle ganz besonders herzlich bei Frau Susanne Geister und ihrer Cousine für die Einwilligung bedanken, diese beiden Gemälde
=> „Häusermeer und Schienenstränge“, 1934, Öl/Lwd., 45 x 50 cm, GV 602 und
=> „Berlin, Charlottenburger Stadt- und Fernbahngleise im Schnee (Blick von unserer
       Wohnung)“, 1935, Öl/Lwd., 58 x 67 cm, GV 660 [zum Bild]
auf unserer Webseite abbilden zu dürfen.
Es freut mich besonders, dass dadurch dieses bislang wohl eher vernachlässigte Werk nun auch noch 87 Jahre nach seiner Entstehung durch unsere intensive Beschäftigung damit eine späte und zusätzliche Würdigung erfährt.

Conrad Felixmüller zog 1934 nach Berlin, in die Rönnestraße 18. Der Ausblick von seinem Fenster auf die Anlagen der damaligen „Eisenbahnmeisterei Charlottenburg“ und die dahinter liegenden Häuser der Heilbronner Straße hat ihn offenbar derart fasziniert, dass er ihn noch im selben Jahr in dem Bild „Häusermeer und Schienenstränge“ festhielt.

Das Gemälde befindet sich heute – finanziert aus Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin – im Besitz des Stadtmuseums Berlin (Inv. GEM 85/11).

Conrad Felixmüller: Häusermeer und Schienenstränge
Conrad Felixmüller: Häusermeer und Schienenstränge, 1934, Öl auf Leinwand, 45 x 50 cm, GV 602
[Fahren Sie mit der Maus über das Bild für im Text verwendete Kennzeichnungen. Klicken Sie hier für eine große Darstellung]

Ein Indiz für diese Faszination könnte die im Gemälde auf den ersten Blick fesselnde Farbenpracht sowie der hohe Farbkontrast bei gleichzeitiger Farbenvielfalt im Bereich der zentralen Gebäude und Gleisanlagen sein. Dies hebt sich deutlich von dem doch eher stark bedeckten Himmel und der zwar noch farbvielfältigen, aber wesentlich kontrastärmeren Häuserzeile im Hintergrund ab. Hätte man nicht bei der Abbildung einer solchen Indstrieanlage eher blaugraue Farben erwartet? Diese setzt der Künstler auch ein, sparsam und vorwiegend im Bereich der Gebäude des Rundlokschuppens, der Dächer des Heizhauses, des sich links daneben befindlichen (durch uns noch nicht näher identifizierten, mit „4“ gekennzeichneten) Gebäudes und des im Hintergrund vorbeifahrenden Fernzuges. Dagegen hebt er mit leuchtend gelb-grünen Farben die verbliebene Natur in diesem Bereich hervor, die mit den angenehmen gelben und rötlichen Tönen in den Gebäuden der Anlage sympatisieren. Bemerkenswert sind auch die freundlichen Brauntöne der Gleisanlagen.
Vor einiger Zeit wandte ein Besucher unserer Webseite ein, dass die eher gedeckten Farben des Rundlockschuppens und des Hintergrundes bei gleichzeitig farbenprächtigem Vordergrund daran liegen könnte, dass der Künstler im Gemälde einen Licht-(Sonnen-)einfall von hinten – also aus Richtung der Rönnestraße – darstelle. Praktisch ist das aber nicht möglich und würde somit im Widerspruch zur „Neuen Sachlichkeit“ stehend, nicht zu den Prinzipien des Künstlers passen. Der Blick aus dem Fenster Conrad Felixmüllers geht nämlich in Richtung Süden (vgl. unsere Karte unten), die Rönnestraße liegt im Norden der Anlage. Von dort kann also kein Sonnenlicht kommen. Tatsächlich hat der Künstler auch einige Schatten am Schonrstein („10“), der Brücke („7“) und der sich dazwischen befindlichen S-Bahn gezeichnet, die auf ein nachmittägliches Sonnenlicht zwischen 16 und 17 Uhr schließen lassen.


Am 07. Februar 1882 wurde die Berliner Stadtbahn (später S-Bahn) für den Stadtverkehr eröffnet. Dazu bedurfte es an verschiedenen Stellen im Stadtgebiet Wartungsstationen für die seinerzeit noch dampfbetriebenen Lokomotiven.

Gegenüber des Fensters der von Conrad Felixmüller neu bezogenen Wohnung befand sich die bis 1882 errichtete Charlottenburger Lokomotivstation mit einem Rundlokschuppen (auf dem Bild oben, in der Karte und im Luftbild unten mit „1“ gekennzeichnet) für bis zu 23 dampfb,etriebene Lokomotiven der Berliner Stadtbahn, die mit einer Drehscheibe auf den entsprechenden Gleisen abgestellt wurden sowie Anlagen zur Ausschlackung, Bekohlung und zum Wasserfassen. Nach einer ministeriellen Verfügung wurden solche Stationen am 20.03.1922 in „Bahnbetriebswerk“ umbenannt.

Anmerkung: Die an verschiedenen Stellen auf dieser Webpräsenz WestkreuzPark.de zu findende Bezeichnung „Rangierbahnhof Charlottenburg“ ist falsch, so etwas hat es nie gegeben. Oft wird dies mit dem Rangierbahnhof Grunewald verwechselt oder gleichgestellt, wie zum Beispiel hier (was die Quellen 1 und 2 belegen). Tatsächlich aber hat es einen „Rangierbahnhof Charlottenburg“ nie gegeben..
Eine Korrektur der betreffenden Beiträge durch die Autoren wäre sehr wünschenswert.

Die seit 1926 vorangetriebene Elektifizierung der Stadtbahn führte 1929 dazu, dass die letzten Dampflokomotiven der Berliner Stadtbahn verschwanden, nachdem bis November 1928 alle Zulaufstrecken (Potsdam und Erkner bereits bis Juni, nun auch Kaulsdorf, Grünau und Spandau am 10.12.1928) elektrifiziert waren, 1929 der Spandauer Vorortverkehr ebenfalls auf die elektrifizierten Stadtgleise verlagert wurde und schließlich auch der „Ring“ vollelektrisch befahren werden konnte. Bereits im Februar 1929 wurde das Bahnbetriebswerk Charlottenburg geschlossen und fortan als Eisenbahnmeisterei Charlottenburg genutzt.
(Im Dezember 1930 wurde die Bezeichnung S-Bahn und das Symbol eines weißen S auf grünem Grund für die Stadt-, Ring- und Vorortbahnen eingeführt.)


Trotz der großräumigen Anlage war es also zu Zeiten des Einzugs Conrad Felixmüllers hier schon deutlich ruhiger geworden, als bei seiner Indienststellung Ende des 19. Jahrhunderts. Kein geschäftiges, lautes Treiben mehr auf den vielen Gleisen, keine dampfenden Lokomotivschornsteine der Stadtbahn mehr in diesem Bereich [lediglich dampfbetriebener Fernverkehr auf den weiter entfernten Fernbahngleisen, siehe Conrad Felixmüller: „Charlottenburger Stadt- und Fernbahngleise im Schnee“]. Der Rundlockschuppen (mit „1“ gekennzeichnet), der Wasserturm (mit „5“ gekennzeichnet) mit dem sich direkt daneben anschließenden Wasserwerk sowie die lärmtreibenden Bekohlungs- und Ausschlackungsanlagen hatten ihre Hochzeit nach der Elektrifizierung der Berliner Stadtbahn seit fünf Jahren hinter sich. Das hat sich schließlich auch positiv auf die Wohnqualität hier in der Umgebung ausgewirkt.
Die von Felixmüller links unten im Bild geschwindigkeitsverzerrt in Richtung Westkreuz (nach rechts) rasende, gelb-rote, elektrisch betriebene S-Bahn ist ein deutlicher Beleg dafür.

Das Gemälde bildet etwa den in der folgenden Karte markierten Bereich ab.

Orientierungskarte zum erfassten Bereich.
[Bitte fahren Sie mit der Maus über das Bild zum Einnorden der Karte.]

Hier greift der Künstler zu einem Trick: Je weiter wir nach rechts blicken, um so mehr macht er von einer starken perspektivischen Verzeichung Gebrauch. Während der linke Bereich bis zum Ende des Schornsteins („10“) rechts des Rundlockschuppens („1“) im Gemälde 78 % der Bildbreite einnimmt, sind es auf der Karte gerade einmal 37 %. So gelingt es ihm, im verbleibenden Bildbereich eine sehr viel weiter rechts gelegene Brücke über die S-Bahn (hier mit „8“ gekennzeichnet) darzustellen.
Dem Künstler war es offenbar wichtig, wenigstens andeutungsweise am rechten Rand den erst sechs Jahre zuvor (1928) als „Bahnhof Austellung“ in Betrieb genommenen und zwei Jahre (1932) vor der Entstehung des Gemäldes in „Westkreuz“ umbenannten Bahnhof mit abzubilden, der – tatsächlich sehr viel weiter rechts gelegen – sonst nicht mehr auf das Bild gepasst hätte.
Dabei ist zunächst nicht ganz klar, worum es sich bei der oben mit „8“ gekennzeichneten Brücke wirklich handelt. Tatsächlich wäre vom Fenster Conrad Felixmüllers als erstes die Güter- und Fernbahnbrücke der Nordkurve (noch heute, seit langem ungenutzt und vom Abriß bedroht, unmittelbar am Vereinshaus vorhanden) zu sehen. Es liegt aber auf den ersten Blick die Vermutung nahe, dass der Künstler auf dieses Detail zu Gunsten der Bedeutung des neuen Westkreuz-Bahnhofes verzichtet hat und direkt den oberen Bahnsteig des S-Bahnringes abbildete. Das wäre ungewöhnlich für einen Künstler der „Neuen Sachlickeit“, zu deren wesentlichen Vertretern Conrad Felixmüller zählt.

[Bei starker Vergrößerung rechts erkennbar:] Aber die sich leicht verzerrt, scheinbar in Bewegung setzenden, regelmäßigen Fenster (mit „S“ gekennzeichnet) einer möglichen gelb/roten S-Bahn [ähnlich der S-Bahn links unten im Gemälde] mit dem sich darüber befindlichen („D“), hell glänzendem (weil neuem) Dach des Ringbahnsteiges und (mit viel Phantasie ganz rechts am Rand) ein unterhalb angedeutetes Dach des sich dann dort befindlichen S-Bahnsteigs (mit „B“) lassen diese Vermutung auf den ersten Blick wahrscheinlich erscheinen. Denkbar wäre aber auch in Einklang mit der „Neuen Sachlickeit“, dass es sich bei den dunkelgrauen (mit „B“ gekennzeichneten) Linien um die dreispurige Fernbahnbrücke der Nordkurve handelt, mit dahinter/darüber angedeutetem Durchblick auf den Ringbahnsteig („D“) und dort anfahrender S-Bahn in Richtung Halensee („S“ Fernzüge sind nämlich nicht gelb/rot). Als Beleg für die von mir postulierte, letztere Variante dient mir die links neben dem „B“ angedeutete – wenngleich auch unter Berücksichtigung der perspektivischen Verzeichnung zu schmal dargestellte – Zugdurchfahrt durch die Fernbahnbrücke der Nordkurve. Eine solche Zugdurchfahrt ist bei dieser Brücke nämlich auf beiden Seiten (links für die stadteinwärts, rechts für die stadtauswärts fahrende S-Bahn) vorhanden, während es so etwas beim aufgestelzten S-Bahnhof des Ringes nicht gibt.

In unserer obigen Karte haben wir den Standort der Brücke der Fernbahn-Nordkurve mit „8“ gekennzeichnet; der Standort des Ringbahnsteiges ergibt sich von selbst aus der Abbildung.

Lediglich die mit „2“ gekennzeichneten Lager- und Aufenthaltsgebäude sowie der mit „3“ gekennzeichnete Schornstein mit angrenzendem Heizhaus sind 1934 noch voll in Betrieb und auch heute noch als Ruinen vorhanden, wobei das mit „4“ gekennzeichnete Gebäude durch uns noch ergründet werden muss.


Erst vor Kurzem identifizierten wir den noch heute in Betrieb befindlichen Ausgang des Fußgängertunnels unterhalb der S-Bahngleise (mit „9“ gekennzeichnet). Durch diesen Tunnel gelangten die Arbeiter von der Rönnestraße kommend nach anschließender Benutzung der mit „7“ gekennzeichneten Brücke über die noch heute vorhandene S-Bahn-Südkurve direkt zum Rundlockschuppen.

Im Gemälde von Conrad Felixmüller ist dieses kleine Detail nur schwach (dunkleres Blau unterhalb der „9“) zu erkennen, stellt aber heute für uns eine interessante Orientierung dar, da der Bereich links des Tunnelausgangs heute nicht mehr begehbar ist und sowohl die Brücke „7“ als auch der Schornstein „10“ nicht mehr vorhanden sind.

In einer Luftaufnahme von 1954 sind diese Elemente noch gut zu erkennen. Hier interessiert uns derzeit das mit „A“ gekennzeichnete Gebäude über dem Tunneleingang von der Rönnestraße, deren Fundamente noch zu erkennen sind, das aber auf dem Gemälde von Conrad Felixmüller außerhalb des rechten Bildrandes nicht mehr enthalten ist?
Was befand sich hier?

Ausschnitt eines Lufbildes von 1954 – Norden ist auf der rechten Seite!
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Wenn wir schon mal bei solch faszinierenden Kleinigkeiten im Gemälde sind, möchte ich Sie noch auf zwei weitere Kleinigkeiten hinweisen:
Im Hintergrund in der Mitte – auf den Gleisen der Fernbahn – „fährt“ ein Fernzug. Diese wurden seinerzeit ausschließlich mit Dampflokomotiven bewegt. Mit nur ganz wenigen – aber dafür reinweißen – Punkten gelingt es dem Künstler, dies im Gemälde vorn an der Lokomotive dezent festzuhalten. Die alte Dampftechnik tritt gegenüber der neumodisch, elektrisch betriebenen S-Bahn (unten links) in den Hintergrund.
Ich möchte Sie auch noch auf ein zweites, von vielen unbemerktes, Detail in Verbindung mit diesem Fernzug aufmerksam machen: In der Mitte des Zuges (oben im Gemälde mit „M“ gekennzeichnet) bildet der Künstler einen in der Farbgebung an einen „MITROPA“-Wagen erinnernden Wagon ab. MITROPA war die 1916 zum Betrieb von Schlaf- und Speisewagen gegründete „MITteleuROPäische Schlaf- und Speisewagen Aktiengesellschaft“ mit Direktionssitz in Berlin. Sie fügte Fernzügen – meist in der Mitte, um von allen Wagons gut erreichbar zu sein – einen Speisewagen mit eigener Küche, Buffet und Gästeplätzen an meist weiß gedeckten Tischen hinzu. Die Wagen waren außen rot mit durchgängig gelbem Strich und gelber Beschriftung. Ein solcher Wagen hebt sich im Gemälde deutlich von den anderen Wagons des Fernzuges ab.


An dieser Stelle sei mir eine persönliche Anmerkung gestattet:
Besonders fasziniert mich die exakte und detailgetreue Darstellung, zum Beispiel der vier vom Fenster des Malers aus sichbaren Signalanlagen, des eben erwähnten Speisewagens, des mit „9“ gekennzeichneten Tunnelausgangs
u.a. Trotz der künstlerisch geschickt eingesetzten perspektivischen Verzerrung des Bildes ist eine sehr genaue Lagebestimmung (i.V.m. der folgenden Abbildung) möglich. Ich sehe darin auch ein Merkmal der „Neuen Sachlichkeit“ in der Kunst, zu deren wesentlichen Vertretern Conrad Felixmüller zählt.

Im Bereich vor dem Fenster Conrad Felixmüllers befinden sich die Gleise 35 bis 46, die sehr schön aus einem Gleisplan für das Jahr 1977 hervorgehen. Diese folgende Abbildung zeigt die Gleisanlage vor dem Bau (2003 bis 2006) des neuen (heutigen) S-Bahnhofs Charlottenburg und der damit verbundenen Verlegung (oft auch als „Umklappen“ bezeichnet) der beiden S-Bahnsteige (ursprünglich Bahnsteig C und D) in Richtung Osten [im abgeildeten Plan nach links], näher an den U-Bahnhof Wilmersdorf heran. Der erste, zur S-Bahn naheliegende, Fernbahnsteig (ehem. Bahnsteig B) blieb erhalten und ist auch heute noch – mit Ausnahme des Ausgangs auf der Seite der Signalanlagen G und H – als Fernbahnsteig in Betrieb, während der Bahnsteig A zurückgebaut wurde.

Berlin-Charlottenburg, km 11,26 Stadtbahn, Stand: 20.09.1977
In dieser Abbildung sind die Gleise der S-Bahn grün dargestellt.
Die Lage der Gleise 38 bis 40, 42 und 44 bis 46 ist im obigen Bild mit „6“ gekennzeichnet.

Deutlich (weil gestrichelt) ist hier auch die in unserer Karte oben violett eingezeichnete Streckenführung der ehemaligen Fernbahngleise von und nach Westend (grau) und des stadteinwärts führenden Teils der S-Bahn-Nordkurve (grün) über die heute noch vorhandene Brücke über die S-Bahn-Südkurve vor der Brache/Steintal (in der unteren Abbildung mit P gekennzeichnet) zu erkennen. Der am unteren Rand der Karte grün gestrichelt eingezeichnete Verlauf der ehemaligen, stadtauswärts führenden Nordkurve der S-Bahn dient heute als Fußweg am nördlichen Rand des „WestkreuzPark!“s, resp. der Kleingartenanlage und ist bei unseren Führungen ein ebenso zentrales Element, wie die gerade benannte Brücke P.

Auch die letzte hier zu erwähnende Abbildung zeigt einen schönen Überblick der Anlage im Bild von Conrad Felixmüller. In dieser Abbildung aus dem Jahr 1930 sind zusätzlich die Gleise 113, 37, 116 sowie ein benachbart weiteres Gleis (ohne Nummer) unterhalb der Böschungsmauer zur Fernbahn eingezeichnet.

BW Charlottenburg 1930
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Sehr schön ist hier auch der kleine, heute noch als Fußgängertunnel erhaltene Durchgang (in der Abbildung mit T gekennzeichnet) unterhalb des ehemaligen S-Bahngleises der Nordkurve stadtauswärts nach Westend zu erkennen, den alle Besucher, von der Rönnestraße kommend, auf dem Weg zum Vereinshaus durchqueren müssen.

Bemerkenswert ist, dass auch auf diesem Plan jenes, im Gemälde sowie auf unserer Karte mit „4“ gekennzeichnete Gebäude fehlt.

Aus meiner Sicht ebenso bemerkenswert ist, dass der hier im Gleisplan von 1930 und ganz am Ende dieser Seite im Luftbild von 1954 mit W gekennzeichnete, dort deutlich erkennbare, Wasserturm am Rundlockschuppen im Gemälde nicht zu finden ist. Sollte dieser Wasserturm direkt hinter dem Belüftungshütchen des Rundlokschuppens aus Sicht Conrad Felixmüllers verborgen gewesen sein? Über jedem Rundlokschuppen erhebt sich ein solches Hütchen (vgl. Rummelsburg oder Pankow-Heinersdorf) zur Ableitung der giftigen Verbrennungsgase und des Wasserdampfes der Lokomotiven. Da ein Wasserturm den Rundlokschuppen in der Höhe überragt hätte, ist es eher unwahrscheinlich, dass er durch das Entlüftungshütchen aus Sicht Conrad Felixmüllers gerade vollständig verdeckt gewesen wäre.
Ebenso unwahrscheinlich ist, dass dieser Wassertum erst nach 1934 (Gemälde) und vor 1954 (Luftbild) errichtet worden sein soll. Solche Wassertürme wurden – wie hier in Berlin-Schöneweide – gemeinsam mit der Gesamtanlage errichtet. In unserem Fall also wohl vor 1882 gebaut, hatte der Wassertum nach Elektrifizierung der Stadtbahn 1929 seine Hauptfunktion eigentlich schon verloren, wurde aber vielleicht noch von der Eisenbahnmeisterei genutzt.
Ich vermute, dass Conrad Felixmüller auf die Abbildung des Wasserturmes – der sich aus seiner Sicht und Perspetive dicht neben dem Entlüftungshütchen des Rundlokschuppens befunden und diesen möglicherweise nur wenig überragt haben muss – verzichtet hat, um den Betrachter nicht mit zwei ähnlich aussehenden Spitzen auf dem Rundlokschuppen zu verwirren.


Conrad Felixmüller: Berlin, Charlottenburger Stadt- und Fernbahngleise im Schnee (Blick von unserer Wohnung), 1935, Öl auf Leinwand, 58 x 67 cm, GV 660

Weitere Bilder mit Blick aus der Wohnung in der Rönnestraße 18, an dessen Haus sich heute eine Gedenktafel befindet, sind dem Gemäldeverzeichnis leider nicht zu entnehmen.

Detlef Petereit


Zum Abschluss folgen noch einige Fotos, die einen weiteren Einblick in die Entwicklung dieses Bereiches des alten Bahnbetriesbwerks Charlottenburg geben.

Die ersten beiden schwarz/weiß Fotos – ebenfalls von der Rönnestraße aus aufgenommen – stammen aus dem Jahr 1905, also einer Zeit, in der das Bahnbetriebswerk voll in Betrieb war. Die S-Bahn fuhr noch mit Dampflokomotiven und von dem erst 1928 in Dienst gestellten Bahnhof Ausstellung (ab 15. Januar 1932 „Westkreuz“) gibt es noch keine Spur [erstes Foto; vergrößern Sie gemäß der unten stehenden „Hinweise zur Bedienung...“ auf Originalgröße]. Schauen Sie sich den Bereich der ganz rechts an den Nachbarbalkon anstoßenden, im Hintergrund erkennbaren Brücke an. Es handelt sich dabei um die heute von der Bahn gesperrte „Brücke am Vereinshaus“ für die Nordkurve der Fernbahn. Die Schienenstränge zur heutigen Stadtbahn nach Spandau sind noch nicht vorhanden, lediglich die Schienen der heute nicht mehr vorhandenen „Nordkurve“ sind zu erkennen

Die sich anschließenden Bilder zeigen einen Planausschnitt und Luftaufnahmen jener Gebäude, von denen noch heute Ruinen zu finden sind, die dann in den Farbfotos aus dem Jahre 2018 dargestellt sind.

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Detlef Petereit