Conrad Felixmüller

Diesen interessanten Einblick in die Geschichte des uns besonders interessierenden Bereiches des ehemaligen Bahnbetriebswerks Charlottenburg (heutige „Brache“/“Steintal“) verdanken wir dem Maler Conrad Felixmüller.

Wir möchten uns an dieser Stelle ganz besonders herzlich bei Frau Susanne Geister und ihrer Cousine für die Einwilligung bedanken, diese beiden Gemälde
=> „Häusermeer und Schienenstränge“, 1934, Öl/Lwd., 45 x 50 cm, GV 602 und
=> „Berlin, Charlottenburger Stadt- und Fernbahngleise im Schnee (Blick von unserer Wohnung)“, 1935, Öl/Lwd., 58 x 67 cm, GV 660 [zum Bild]
auf unserer Webseite abbilden zu dürfen.

Conrad Felixmüller zog 1934 nach Berlin, in die Rönnestraße 18. Der Ausblick von seinem Fenster auf die Anlagen des Bahnbetriebswerks Charlottenburg und die dahinter liegenden Häuser der Heilbronner Straße hat ihn offenbar derart fasziniert, dass er ihn noch im selben Jahr in dem Bild „Häusermeer und Schienenstränge“ festhielt.

Conrad Felixmüller: Häusermeer und Schienenstränge
Conrad Felixmüller: Häusermeer und Schienenstränge, 1934, Öl auf Leinwand, 45 x 50 cm, GV 602
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Trotz der großräumigen Anlage war es zu jener Zeit hier schon deutlich ruhiger geworden, als bei seiner Indienststellung Ende des 19. Jahrhunderts. Das hat sich sicherlich auch positiv auf die Wohnqualität hier in der Umgebung ausgewirkt. Der Bereich wurde jetzt in dieser Zeit als Bahnmeisterei genutzt.

Kein geschäftiges Treiben mehr auf den vielen Gleisen, keine dampfenden Schornsteine in diesem Bereich. Der 1882 in Betrieb genommene Rundlockschuppen für 23 Dampflokomotiven (auf dem Plan mit „1“ gekennzeichnet), der Wasserturm (mit „5“ gekennzeichnet) mit dem sich direkt daneben anschließenden Wasserwerk sowie die lärmtreibenden Bekohlungs- und Ausschlackungsanlagen hatten ihre Hochzeit nach der Elektrifizierung der Berliner Stadtbahn in den Jahren 1926 beginnend längst hinter sich.
Die von Felixmüller links unten im Bild geschwindigkeitsverzerrt in Richtung Westkreuz (rechts Mitte) rasende, gelb-rote, elektrisch betriebene S-Bahn ist auch ein deutlicher Beleg dafür.

Dieses Bild befindet sich heute – finanziert aus Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin – im Besitz des Stadtmuseums Berlin (Inv. GEM 85/11).

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Orientierungskarte zum erfassten Bereich.
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Lediglich die mit „2“ gekennzeichneten Lager- und Aufenthaltsgebäude sowie der mit „3“ gekennzeichnete Schornstein mit angrenzendem Heizhaus sind 1934 noch voll in Betrieb, wobei das mit „4“ gekennzeichnete Gebäude durch uns noch ergründet werden muss.

An dieser Stelle sei mir eine persönliche Anmerkung gestattet:
Besonders fasziniert mich die exakte und detailgetreue Darstellung, zum Beispiel der vier, vom Fenster des Malers sichbaren, Signalanlagen. Trotz der künstlerisch geschickt eingesetzten perspektivischen Verzerrung des Bildes – wohl, um wenigstens andeutungsweise am rechten Rand den erst sechs Jahre zuvor als „
Bahnhof Austellung“ in Betrieb genommenen und vor zwei Jahren in „Westkreuz“ umbenannten Bahnhof anzudeuten, der (sehr viel weiter rechts gelegen, im obigen Bild mit „8“ angedeutet) sonst nicht mehr auf das Bild gepasst hätte – ist eine sehr genaue Lagebestimmung (i.V.m. der folgenden Abbildung) möglich. Ich sehe darin auch ein Merkmal der „Neuen Sachlichkeit“ in der Kunst, zu deren wesentlichen Vertretern Conrad Felixmüller zählt.

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In diesem Bereich befinden sich die Gleise 35 bis 46, die sehr schön aus einem Gleisplan für das Jahr 1977 hervorgehen. Diese Abbildung zeigt die Gleisanlage vor dem Bau des neuen (heutigen) Bahnhofs Charlottenburg und der damit verbundenen Verlegung (oft auch als „Umklappen“ bezeichnet) der beiden S-Bahnsteige in Richtung Osten, näher an den U-Bahnhof Wilmersdorf heran.

Berlin-Charlottenburg, km 11,26 Stadtbahn, Stand: 20.09.1977
In dieser Abbildung sind die Gleise der S-Bahn grün dargestellt.
Die Lage der Gleise 38 bis 40, 42 und 44 bis 46 ist im Bild mit „6“ gekennzeichnet.

Deutlich sind hier auch die in unserer Karte oben violett eingezeichneten, ehemaligen Fernbahngleise von und nach Westend (über die heute noch vorhandene Brücke vor der Brache/Steintal und der von der Bahn leider gesperrten Brücke am Vereinshaus, die vom Abriss bedroht ist) sowie das ehemalige S-Bahngleis nach Westend (heutiger Fußweg am nördlichen Rand des „WestkreuzParks!“, resp. der Kleingartenanlage) zu erkennen.

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Auch die letzte hier zu erwähnende Abbildung zeigt einen schönen Überblick der Anlage im Bild von Conrad Felixmüller. In dieser Abbildung aus dem Jahr 1930 sind zusätzlich die Gleise 113, 37, 116 sowie ein benachbartes, weiteres Gleis unterhalb der Böschungsmauer zur Fernbahn eingezeichnet. Sehr schön ist auch der kleine, heute noch als Fußgängertunnel erhaltene Durchgang unterhalb des ehemaligen S-Bahngleises nach Westend (ganz unten rechts in der Ecke der Abbildung) zu erkennen, den alle Besucher, von der Rönnestraße kommend, auf dem Weg zum Vereinshaus durchqueren.
Bemerkenswert ist, dass auch auf diesem Plan jenes, in unserem Bild mit „4“ gekennzeichnete Gebäude fehlt.

Der Ausblick aus seinem Fenster auf die Bahnanlagen hat Conrad Felixmüller offenbar sehr bewegt, so dass er gleich im darauf folgenden Winter 1934/35, seinem ersten in Berlin, – wohl auch angeregt von den Schneemassen und dem weißen Dampf der Lokomotiven – ein neues Bild malte.

Conrad Felixmüller: Berlin, Charlottenburger Stadt- und Fernbahngleise im Schnee (Blick von unserer Wohnung), 1935, Öl auf Leinwand, 58 x 67 cm, GV 660

Weitere Bilder mit Blick aus der Wohnung in der Rönnestraße 18, an dessen Haus sich heute eine Gedenktafel befindet, sind dem Gemäldeverzeichnis leider nicht zu entnehmen.

Detlef Petereit

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Zum Abschluss folgen noch einige Fotos, die einen weiteren Einblick in die Entwicklung dieses Bereiches des alten Bahnbetriesbwerks Charlottenburg geben.

Die ersten beiden schwarz/weiß Fotos – ebenfalls von der Rönnestraße aus aufgenommen – stammen aus dem Jahr 1905, also einer Zeit, in der das Bahnbetriebswerk voll in Betrieb war. Die S-Bahn fuhr noch mit Dampflokomotiven und von dem erst 1928 in Dienst gestellten Bahnhof Ausstellung (ab 15. Januar 1932 „Westkreuz“) gibt es noch keine Spur [erstes Foto; vergrößern Sie gemäß der unten stehenden „Hinweise zur Bedienung...“ auf Originalgröße]. Schauen Sie sich den Bereich der ganz rechts an den Nachbarbalkon anstoßenden, im Hintergrund erkennbaren Brücke an. Es handelt sich dabei um die heute von der Bahn gesperrte „Brücke am Vereinshaus“ für die Nordkurve der Fernbahn. Die Schienenstränge zur heutigen Stadtbahn nach Spandau sind noch nicht vorhanden, lediglich die Schienen der heute nicht mehr vorhandenen „Nordkurve“ sind zu erkennen

Die sich anschließenden Bilder zeigen einen Planausschnitt und Luftaufnahmen jener Gebäude, von denen noch heute Ruinen zu finden sind, die dann in den Farbfotos aus dem Jahre 2018 dargestellt sind.

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Detlef Petereit

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