Als die Straßenbahn vom Bf. Halensee unter dem Rangierbf. Chab zum Stadtbahnhof Charlottenburg fuhr

Am 1.Oktober, kommt die Straßenbahn nach Charlottenburg zurück – wenn auch nur  auf dem Tieflader.

…und danach gleich die Protestdemo.

Den Fahrradseller „Stadler“ kennt jeder, wer weiß aber darüberhinaus, daß dort sich ehemals der Straßenbahnhof Charlottenburgs befand (auch dieser war nicht der erste, wie in folgendem Abschnitt dargelegt wird)

Sophie-Charlotten-Str. 105 / Spandauer Damm 68-76 Betriebsbahnhof
1865 baute der Eisenbahn-Unternehmer A. Moller hier einen Wagen-Schuppen und einen Pferdestall für die Pferde-Eisenbahn Berlin-Charlottenburg. 1871 kam ein zweigeschossiges steinernes Stationsgebäude dazu. Moller verkaufte seine Betriebslizenz an die Fuhrunternehmer Besckow und Lestmann. Zunächst wurde die Strecke vom Brandenburger Tor bis hierher eingleisig in Betrieb genommen. Am 21. Juni 1865 startete die erste deutsche Pferdebahn am Brandenburger Tor zu ihrer Jungfernfahrt. Am Tag darauf fuhr um 7.00 Uhr das erste Gespann hier am Charlottenburger Bahnhof ab und eröffnete damit den regelmäßigen Liniendienst auf der 6,3 Kilometer langen Strecke. In einem Wagenabstand von zehn Minuten wurden etwa 45 Passagiere für einen Fahrpreis von 2,5 Silbergroschen befördert, im Salonwagen 5 Silbergroschen. Arbeiter und Handwerker konnten sich das nicht leisten. Sie gingen zu Fuß. Trotzdem wurden im ersten vollen Betriebsjahr 1866 bereits mehr als 960.000 Personen befördert. 1875 wurde die Strecke zweigleisig ausgebaut und auch hier die Anlage des Betriebsbahnhofs erweitert, unter anderem wurde eine 11 Jahre alte Villa zum Wohnhaus des Direktors der Pferde-Eisenbahn. Inzwischen waren in den Ställen bereits 112 Pferde untergebracht. 1890 waren es 300 Pferde.
1871 wurde die Strecke in Richtung Spandau zur neu entstehenden Villenkolonie Westend verlängert, was für die Pferde äußerst anstrengend war. Die aus Berlin kommenden Fahrgäste mussten hier in kleinere, leichtere Wagen umsteigen, die mit frischen Pferden bespannt wurden, bevor es den Spandauer Berg hinaufging. Im Januar 1882 begann ein kurzer Probebetrieb mit elektrischen Wagen der Firma Siemens. Aber erst 1897 konnte die erste elektrische Charlottenburger Straßenbahn im normalen Betrieb eingesetzt werden, und 1900 wurden hier die letzten Pferde ausgespannt. Die Berlin-Charlottenburger Straßenbahn AG gelangte 1920 in städtischen Besitz und wurde 1929 in die BVG eingegliedert. 1930 wurde der Betriebshof geschlossen, nachdem an der Königin-Elisabeth-Straße 23 ein neuer Betriebshof der BVG eröffnet worden war.
1934 wurden fast alle Gebäude abgerissen. 1937 wurden Wohnungen gebaut, die 1943 zum größten Teil durch Bombenangriffe zerstört wurden. 1953 bis 1954 ließ die GSW die Wohnhäuser teilweise wieder herstellen, teilweise mit neuen Grundrissen neu bauen, so dass heute nichts mehr an den alten Betriebsbahnhof erinnert.
1967 fuhren die letzten Straßenbahnen West-Berlins über diese Strecke: Die Linien 53 und 54 stellten am 2. Mai 1967 ihren Betrieb ein, dieLinie 55 vom Hardenbergplatz nach Hakenfelde genau fünf Monate später.

Es ist noch weniger bekannt, dass vor langer Zeit die Straßenbahn den Rangierbahnhof Charlottenburg unterquerte.

Ausschnitt

Strecken- und Liniennetz der Berliner Pferde-Eisenbahn und Berlin-Charlottenburger Straßenbahn, 1865–1919

 

 

Bis vor einigen Jahrzenten wurde dieselbe Strecke noch von einem Doppeldeckerbus befahren, bis selbiger in den Straßen steckenblieb.

Stuttgarter Platz am Bahnhof Charlottenburg mit zwei Triebwagen auf den Linien V und S im Vordergrund, um 1903

Tw 248 (Bj. 1900) mit drei Stromabnehmern, um 1911

Aufruf an die „Aktionisten“:

Liebe Netzwerker von Grünzüge für Berlin,

wer Zeit hat und dies einrichten kann: Bitte kommt und unterstützt am kommenden

Montag, 2. Oktober, 14 Uhr,

Hardenbergplatz vor Bahnhof Zoo,

die Demonstration „Schienen auf die Straße“, mit welcher eine flächendeckende Rückkehr der Straßenbahn nach Berlin, komplementär zu U- und S-Bahn gefordert wird.

Anlass ist der 50. Jahrestag der Einstellung der letzten West-Berliner Straßenbahnlinie, der Linie 55 vom Bahnhof Zoo nach Spandau-Hakenfelde.

Die Aktion wird auch von Grünzüge für Berlin unterstützt, denn so, wie die Straßenbahn damals in den 60er Jahren dem Ausbau Westberlin zur autogerechten Stadt vollständig weichen musste, so soll ihre Rückkehr auch den Rückbau der autogerechten Stadt einleiten, und das bedeutet: Der öffentliche Raum wird den Autostraßen und Autoparkplätzen wieder abgetrotzt, und es entsteht wieder mehr Platz für entsiegeltes Grün im öffentlichen Raum. Straßenbahnen und Grün gehen eine wunderbare Symbiose ein, wie die Straßenbahnen im Ostenb Berlins zeigen, die sogar durch Wälder verlaufen, ohne sie zu stören. Aus Straßenbahnlinien mit eigenen Mitteltrassen können kleine Grünzüge werden, wie zum Beispiel bereits existent entlang der Tram 50 / M 13 an Wisbyer/ Bornholmer/ Osloer/ Seestraße.

Herzlichen Gruß

Antje Henning

BERLINER NETZWERK FÜR GRÜNZÜGE
c/o Berliner Landesarbeitsgemeinschaft für Naturschutz e.V. (BLN)
Potsdamer Str. 68,
10785 Berlin

ergänzender Verweis auf die Westliche Berliner Vorortbahn -WBV(Wilmersdorf)

September 30, 2017

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