Droht der „Kleinsiedlergemeinschaft“am Westkreuz ein ähnliches Schicksal?

Schmargendorfer Anwohner fürchten um ihre Häuser. Seit fast 100 Jahren ist die „Kleingarten- und Heimstättengenossenschaft Mannheim“ eine kleine Siedlung aus Eigenheimen mit Gärten an der Mecklenburgischen Straße in Schmargendorf – als Ziel schreibt die Satzung „Wohnraum für Minderbemittelte“ vor. Früher hatte das Bezirksamt dort Neubauten genehmigt oder geduldet. Doch nun soll das Gelände gegen den Willen der Eigentümer-Genossenschaft enger und dichter mit Mehrfamilienhäusern bebaut werden, wie mein Kollege Ralf Schönball soeben im Tagesspiegel berichtet hat. Derzeit geht der Bezirk gegen einige Genossenschaftsmitglieder rechtlich vor. „Wir haben kürzlich die Urteilsbegründung des Verwaltungsgerichts bekommen, die illegalen Bauten müssen abgerissen werden“, sagt Baustadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne).

Mit dem Konflikt beschäftigte sich am vorigen Mittwoch auch der BVV-Stadtentwicklungsausschuss. FDP-Vizefraktionschef Johannes Heyne kritisierte, dass „Wohnraum vernichtet wird“ und immer mehr Grünflächen in Schmargendorf „versiegelt“ würden. Dagegen bekräftigte Stadtrat Schruoffeneger, der bauliche „Wildwuchs“ müsse beendet werden. Vor Gerichten „haben wir über alle Instanzen immer Recht bekommen“.

Für die Zukunft sieht er zwei Alternativen: eine Bebauung gemäß dem Baunutzungsplan von 1958, der das Gelände zum „allgemeinen Wohngebiet“ erklärt hatte, oder die Umwandlung in Kleingärten. „Ich bin offen für beide Entwicklungsperspektiven.“ Theoretisch sei zwar auch eine Deklaration als „Kleinsiedlungsgebiet“ möglich, was die Eigenheime retten könnte, doch diese Lösung habe die BVV schon einmal mehrheitlich abgelehnt.

Nun forderte der Ausschuss das Bezirksamt und die Genossenschaft zu Gesprächen auf. Im Publikum reagierte ein Vorstandmitglied der Genossenschaft verwundert: „Wir versuchen seit zwei Jahren, ins Gespräch zu kommen.“ Schruoffeneger konterte: Der Bezirk habe längst schon vorgeschlagen, den Status quo für weitere 15 Jahre festzuschreiben, falls das Bauland danach entwickelt werde. Aber: „Seit zwei Jahren ist die Genossenschaft nicht in der Lage, Entscheidungen zu treffen.“

Dezember 7, 2019

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