„Berlins Kleingärtner okkupieren wertvolles Bauland“

Christian Müller fordert, auf den Randflächen aller Kolonien Häuser zu errichten – nicht zuletzt aus ökologischen Gründen

Leserbrief an den Tagesspiegel aus den „WestkreuzGärten“

Sehr geehrte Damen und Herren,

zu ihrem Artikel:
„Vorstandsmitglied der Baukammer „Berlins Kleingärtner okkupieren
wertvolles Bauland““ vom 08.02.2019
folgend mein Leserbrief mit Bitte um Veröffentlichung:

Es ist ja nicht verwunderlich, dass die Baukammer, als Lobby der
Bauplanenden, in die gleiche Kerbe schlägt, wie die diversen Investoren
und die vermeintlich heilige Kuh „Kleingartenanlage“ schlachten will.

Tatsächlich wird dabei aber – unwissend oder bewußt – nicht genannt,
dass schon seit Jahren Kleingartenanlagen für Bauprojekte geopfert
werden und Wohnungsbau Discountern und Autobahn Platz machen müssen.
Insofern ist dies keine neue Idee der Baukammer und vor dem Hintergrund
weiterer in Planung befindlicher Projekte zu Lasten von KGA-Flächen,
stellt sich die Frage: 20% wovon und wie oft Berlin diese 20% noch
aufgeben soll.

Der viel beschworene Dampf der mit 200.000 Wohnungen vom Kessel genommen
würde, wird sich wieder aufbauen und wenn dann die 200.001. Wohnung
gebraucht wird, steigen die Mieten wieder. Und dann? Werden dann die
nächsten 20% in Frage gestellt? Wie oft kann man das Spiel wiederholen?

Wenn man dann die seit Jahren steigende, nicht zu deckende Nachfrage
nach Kleingärten berücksichtigt, stellt man fest, dass hier zwei
Bedürfnisse der Berliner gegeneinander aufgewogen werden, die aber eng
verbunden sind: In einer immer dichter werdenden Stadt, braucht es grüne
Inseln in Laufentfernung und nicht erst am Stadtrand oder übernächsten
Bezirk.

Man muss hier einen grundlegenden Ansatz finden, um das Problem der
Mietpreisentwicklung in den Griff zu kriegen.
Da braucht es politischen Willen und wohlüberlegte Entscheidungskraft
und nicht das weitere Schüren einer Neiddebatte im Sinne von „1 €/m² ist
nicht haltbar“.
Und vorangestellt muss die Frage geklärt sein, was die Berliner
überhaupt wollen: Wie grün soll die Stadt bleiben, wie viel gesetzliche
Regulierung gegen Mietsteigerungen ist sinnvoll, welchen Straßen- und
Autobahnausbau braucht eine zukunftsfähige Stadt, wie viel Wachstum und
Verdichtung der Stadt ist verträglich.

Erst wenn dies geklärt ist, kann man abwägen welche heiligen Kühe man
dafür bereit ist zu opfern:
– Weshalb werden in Berlin eingeschossige Gewerbebauten und
flächenfressende Parklätze statt Parkgaragen genehmigt? Baumärkte,
Möbelhäuser und Lagerhallen könnten im Erdgeschoss von mehrgeschossigen
Wohnhäusern sein oder wenigstens -wie an den Yorckbrücken und am
Ostbahnhof- auf dem Dach einem Sportplatz Grundfläche bieten.
– Wenn die Baukammer Wohnungen von 46m² als „Heilmittel“ für Wohnungsnot
sieht, stellt sich auch die Frage, ob es gesellschaftlich gerecht ist,
wenn 3-4 mal so große Wohnungen in Berlin von nur 2 Personen bewohnt
werden.
-Wieso nicht auch Flächen, wie das Tempelhofer Feld für Wohnungsbau
heranziehen – die 350 Hektar Feld entsprächen nach Baukammer Rechnung
bereits 120.000. Wohnungen.
– Was ist mit Wohnhochhäusern als innerstädtische Landmarken, um den
Flächenverbrauch zu reduzieren
etc.

In der Hoffnung auf eine sachliche Diskussion, die nicht bei regulären
Pachtverträgen von Okkupation spricht und nachhaltige Lösungen zum Ziel hat,
verbleibe ich mit freundlichen Grüße.

Jan Winkler

Arbeitskreis Westkreuzgarten
www.westkreuzgarten.de

 

Februar 9, 2019

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